Freitag, 11. März 2011

Die Knechtschaft lieben...

Aldoux Huxley hat in seiner berühmten Rede, die er 1962 an der Universität in Berkeley hielt, prophezeit, die Menschheit, würde einst ihre Knechtschaft lieben. Er musste es ja wissen, gehörte er doch der britischen Elite-Kaste an, die genaue Vorstellungen davon hat, nach welchen Kriterien sie uns, also das "Vieh", formen will. Sein Bruder, Julian Huxley, der erste General-Direktor der UNESCO, der fand, dass lange Arbeitslosigkeit ein Grund für Sterilization sein sollte, wirkte fleißig dabei mit.

Die Methoden, die man entwickelte, um den Menschen dazu zu bringen, ganz freiwillig auf seine Grundrechte zu verzichten, reichten von chemischen Erzeugnissen, die man oral verabreichen oder spritzen konnte, bis zu Mikrochips und natürlich spielten vor allen Dingen unsere Bildungsinstitute, wie Schulen und Universitäten, aber auch die Medien eine entscheidende Rolle, um die Überzeugungen, wie sie von den Machthabern gewünscht wurden, ganz unauffällig zu formen.

In den letzten Jahren muss ich zu meinem Entsetzen erleben, wie ein fundamentales Recht, das Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung, nach und nach ausgehebelt wird. Natürlich arbeitet man heute nicht mehr so primitiv und brachial wie zu Hitlers oder zu Stalins Zeiten.
Man hat ja dazu gelernt und geht daher anders vor, und zwar so, dass man den Bürgern zum Schein die Wahl lässt, jemanden in die Wohnung zu lassen, derweil sich die "Ich hab nichts zu verbergen" Sosse dümmlicher Zeitgenossen via Fernsehen in die heimischen Wohnzimmer ergießt.

Als erstes waren die Hartz-IVer dran, die nun alles mögliche nachweisen mussten, um das Geld, auf das sie einen Anspruch haben, auch zu bekommen, und denen schwer anzuraten ist, nicht zuviele Zahnbürsten in ihren Santitär-Räumen aufzubewahren. Sie müssen damit rechnen, dass es im Morgengrauen an der Tür klingelt und ein Staatsdiener das Badezimmer, und möglicherweise auch andere Räume zu sehen verlangt. Findet er eine Zahnbürste zuviel, sind möglicherweise Sanktionen die Folge und nicht nur der erwachsene Frevler, dessen Besuch das Utensil im Zahnputzbecher vergessen hat, dürfte einige Tage vor leeren Tellern sitzen, sondern auch dessen Kinder.

Nach strafrechtlichen Maßgaben ist das natürlich ein völliges Unding, da nicht einmal die Polizei sich einfach so Zutritt zu privaten Wohnungen verschaffen darf, eine herrenlose Zahnbürste kein Beweis für irgendetwas, was immer es auch sein mag, ist, schon gar nicht dafür, dass ein eventueller Besitzer derselben tatsächlich in der Wohnung des Hartz IVlers wohnt. Doch wer dem Schnüffler die Tür nicht öffnet, hat vielleicht trotzdem mit Kürzungen oder sonstigen Sanktionen zu rechnen - könnte ja sein, dass er was zu verbergen hat...
Und diesen Angriff auf die Privatsphäre bejubeln viele Noch-Arbeitnehmer - "...in der heutigen Zeit muss man sich so etwas gefallen lassen..." blökt es mir entgegen.

Natürlich ist man nicht faul, und hat sich auch für die ganz andere Ecke der Gesellschaft eine hübsche Methode ausgedacht, um auch hier in Privaträume zu gelangen -nämlich für die Hobby-Schützen. Als Grundlage hierfür dienten Amokläufe, die man als medienwirksames Spektakel ausschlachten konnte. Ohne auf nennenswerten Widerstand der Allgemeinheit zu stoßen, wurde ein Gesetz verabschiedet, dass es erlaubt, bei Waffenbesitzern Hausdurchsuchungen JEDERZEIT und ohne Vorankündigung durchzuführen. Auch hier konnte man sich seiner Sache sicher sein. Die wenigsten Menschen pflegen ein derart exklusives Hobby. Bei vielen - wie auch bei mir - löst es Befremden aus. Das Entsetzen über die sich offenbar in regelmäßigen Abständen wiederholenden Amokläufe löschte anscheinend die Erinnerung an das Grundgesetz mit seinen zugrundeliegenden Rechten aus und so war man sich der Zustimmung der Allgemeinheit sicher. Es genügte, bei Berichterstattungen ein paar Mal die unsympathische "Waffenlobby" zu erwähnen.

Neuestes Beispiel für Beweislastumkehr und Außerkraftsetzung der Grundrechts auf Unverletzlichkeit der Wohnung ist die geplante Zwangsfernsehabgabe, euphemistisch in Verschleierung seines wirklichen Zweckes 'Haushaltsabgabe' genannt, die 2013 in Kraft treten soll. Es ist einfach nicht zu fassen, wie dieses Gesetz viele begeistert, die jetzt die Fernsehgebühr bezahlen - nur weil ALLE anderen jetzt auch etwas bezahlen müssen...Die Gebühr bleibt ja trotzdem gleich, dass heißt, der Spießbürger hat noch nicht einmal einen finanziellen Vorteil davon, dass Fernseh-Abstinenzler die allgemeine Verblödungspropaganda jetzt auch noch mitfinanzieren müssen. Das schlimmste aber ist - und zu solch einfachen Gedankengängen sind die meisten schon gar nicht mehr fähig - man entkommt der GEZ nun überhaupt nicht mehr! Egal welchen Schrott der Propaganda-Apparat in die Wohnzimmer ergießt, egal wie hoch die Gebühr sein wird - alle müssen die Zwangsabgabe zahlen! Es sei denn: man verzichtet 'freiwillig' auf sein Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung und lässt einen Schnüffler ins traute Heim...

Es regt sich kaum Widerstand gegen die schleichende Außerkraftsetzung eines unserer wichtigsten Grundrechte - im Gegenteil!

Ja, wir sind für Zwang, ja wir sind für Schnüffler, ja, der Staat soll Zugang zu Privatwohnungen bekommen, ja, auch zu uns können sie kommen, denn wir habe nichts zu verbergen...

Ja, wir lieben unsere Knechtschaft!
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