Donnerstag, 28. Juli 2011

Krude Weltbilder

Die Gewerkschaft der Polizei fordert eine Datei für auffällig gewordene Bürger einzurichten, berichtet die TAZ. "Internetnutzer sollen Menschen mit kruden Gedanken bei der Polizei melden, dort könne man sie 'registrieren und identifizieren'.


Jetzt wäre also nur noch zu klären, wer alles in Deutschland über ein krudes Weltbild verfügt. Christian Rath von der TAZ ist schon mit Zahlen behilflich: Schätzungsweise 20 Millionen auffällige Menschen leben in Deutschland, meint er. Wie er dazu kommt, rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung (etwa die Hälfte aller deutschen Arbeitnehmer) als 'auffällig' zu bezeichnen, bleibt sein Geheimnis.

Immerhin gibt er Hinweise darauf, wer in seinen Augen alles auffällig ist: Zum Beispiel Menschen, die seltsamen 'Verschwörungstheorien' anhängen. Auch wer glaubt, die Welt vor dem Bösen retten zu müssen, kann wohl nicht ganz normal sein. Man bleibe daheim, lese die TAZ und überlasse das Denken und Handeln den anderen. Es gibt keinen Finanz-Imperialismus, ein Großteil des Planeten ist gar nicht Eigentum der Aktionäre von Banken und Konzernen, die, obwohl ihnen ohnehin schon alles gehört, immer größere Ansprüche anmelden.
Die Klimawandel-Leugner und CO2 Kritiker hat Herr Rath ganz vergessen. Dass es in einer demokratischen und offenen Gesellschaft Raum für unterschiedliche Meinungen gibt, gilt offenbar nur noch für die geistigen Brandstifter in den oberen Rängen, die ihre Meinung ungehindert per Fernsehen und Zeitungen verbreiten dürfen.

Jetzt wäre nur noch zu klären, wer in Herrn Raths Augen nun 'unauffällig' ist (oder sein will). Wahrscheinlich die TAZ-Leser, nehme ich an. Zumindest in Herrn Raths Augen. Die Polizei-Gewerkschaft mag andere Kriterien anlegen...


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Sonntag, 17. Juli 2011