Sonntag, 23. August 2009

Wozu brauchen wir eigentlich eine Diktatur?

Faschistoide Untertanen-Mentalität hat Hochkonjunktur in unseren Tagen. Selbständiges Denken hat ausgedient. Vom Fensterputzer bis zum Träger akademischer Titel, sowohl Alt als auch Jung marschiert im Gleichschritt auf ein Gebilde zu, das man wohl kaum noch als "Bundesrepublik" Deutschland bezeichnen kann -"ArbeitsLager "Deutschland fände ich passender.

Vorbei sind die Zeiten, als ich noch auf Internetforen feurig über die Propganda der Medien, die immer weiter abnehmende Qualität der Bildung, die soziale Spaltung in unserer Gesellschaft diskutierte. Die Medien und unsere miserable Bildung ist schuld an dem mangelnden Widerstand in unserer Gesellschaft, wusste ich damals.

Allerdings muss auch ich zugeben, dass selbst in den Mainstream-Medien die Symptome einer gesellschaftlichen Krankheit, die ich Faschismus nennen würde, ausreichend beschrieben wurden, um in mir eine dauernde Irritation, ähnlich der, die durch den Missklang eines völlig verstimmten Musikinstrumentes erzeugt wird, hervorzurufen, die meine Tage vom ersten Gedanken am Morgen bis zum späten Abend verfolgt, und sich auch manchmal in der Nacht noch in Form von mühlenden, mahlenden Alpträumen von im Gleichschritt marschierenden Massen, die sich mit starrem Blick und in Uniform in die entgegengesetzte Richtung wie ich bewegen,niederschlägt.

Denn es plagten sich schon vor Jahren Vertreter von Wohlfahrtsverbänden in den Talksendungen mit der 5-fachen Übermacht von Politikern wie Wolfgang Clement herum, der angsichts der im Hartz IV Satz vorgesehenen 8.50 die pro Jahr, Kind und Paar Schuhe nur ein süffisantes Grinsen übrig hatte. Auch gab es im Fernsehen Graphiken zu sehen, die deutlichen Aufschluss darüber gaben, wo unser Wohlstand und unser Geld abgeblieben war.


Zeitungen meldeten auf der ersten Seite den steigenden Reichtum der Deutschen, während im Lokalteil die Grausamkeiten des Lebens unter der Hartz IV Knute durchaus kritisch beschrieben wurden.



Wir erleben sinkende Löhne und Personalabbau bei gleichzeitig steigenden Preisen , doch haben wir damit nicht "faule" Hartz IV Empfänger, sondern die steigenden Profite der Unternehmen und Kapitalanlegern finanziert, die zudem noch immer weiter von Steuern entlastet werden- kann es denn wirklich wahr sein, dass meine Mitmenschen, die zum Teil sogar zur "gebildeten Elite" gehören, diese Zusammenhänge nicht in einen Gedankengang bringen können????

Es erfordert nicht viel Fachwissen, um zu verstehen, dass Hartz IV Empfänger nicht Verursacher der Arbeitslosigkeit, sondern deren Opfer sind - mit sinkenden Reallöhne sank logischerweise die Nachfrage und somit auch die Anzahl der Arbeitsplätze. Ist es denn so schwer zu verstehen, dass der Druck, der durch die Hartz IV Gesetzgebung auf die Betroffenen ausgeübt wird, nur zu einem noch weiterem Druck auf den Arbeitsmarkt führt, der wiederum ein weiteres Sinken der Löhne und somit auch sinkende Einnahmen in den Sozialkassen bewirkt?

Doch anscheinend ist man einfach zu faul geworden, um das eigene Gehirn zu bemühen, denn wenn man das täte, würde man erkennen, dass man nicht so weitermachen kann wie bisher, sondern handeln müsste - also suhlt man sich lieber im faschistoiden Untertanentum.

Es ist nicht zu fassen, was mir da in letzter Zeit entgegenblökt:"Private Unternehmen laufen immer besser als staatliche..." achja? Fragt sich bloß für wen...
Wie die Made im Speck" würden Hartz IV Empfänger leben, die doch endlich mal arbeiten sollen, und wenn es nur für einen Euro die Stunde ist - schließlich müsse jeder was tun. Der Steuerzahler subventioniert zwar so mit den Transferleistungen die Profite der Unternehmen, die für ungefähr 100 Euro im Monat auf ein Heer von Arbeitslosen zurückgreifen können. Aber das macht ja nichts, der faschistoid denkende Untertan lässt sich leicht überzeugen, dass erwachsene Menschen wie schwer Erziehbare zu behandeln sind - die sollen lernen, überhaupt mal wieder früh aufzustehen und arbeiten zu gehen - warum dann nicht gleich im Arbeitslager...

Die ältere Generation wird nicht müde, zu predigen, dass "wir damals auch arbeiten mussten, den wir waren sechs Kinder und haben auch nicht vom Staat gelebt, der Jugend von heute geht's zu gut..." - achso, dass Ausbildungsplätze fehlen, ist also in manchen Gehirnen immer noch nicht angekommen, und außerdem ist die jetzige Generation übrigens nicht für die Armut der Nachkriegszeit verantwortlich, was sind das für dämliche Argumente????

Und wo bitteschön gibt es hier Wohlstand, ein Alleinverdiener kann heute häufig genug gerade mal sich selbst über Wasser halten (wenn überhaupt!), von einer Frau plus sechs Kindern gleich ganz zu schweigen...Mit sechs Kindern ist man als Alleinverdiener ganz schnell unter dem Niveau von damals, wenn der Staat da nicht nachhilft - der bescheindene Wohlstand wird häufig genug mit Reduktion der Nachkommenschaft bzw. völliger Kinderlosigkeit erkauft!!

Die heutige Generation wird, wenn es so weitergeht, wahrscheinlich im Alter massenhaft verhungern aufgrund sinkender Rentenformeln, niedriger Löhne, unfreiwilliger Teilzeitbeschäftigung und Arbeitslosigkeit.

Und wie können die deutschen Bürger eine Gesetzgebegung wie Hartz IV, die Leistungskürzungen bis zu Null!!!! vom ohnehin nicht ausreichenden Existenzminimum vorsieht, dulden?? Dieses Gesetz verstößt nicht nur gegen den Artikel 1 des Grundgesetzes, aber eigentlich sollte man den Artikel nicht kennen müssen, um einfach abgrundtief empört zu sein über eine solche Regelung - schließlich geht es bei dem Leistungssatz nur um die Sicherung des Existenzminimums!, dass durch den Regelsatz ohnehin nicht gesichert wird, und somit einigen Discountern noch die Möglichkeit bietet, ihre häufig abgelaufene Ware schnell noch billig entsorgen zu dürfen - wie kann bei dem ohnehin nicht ausreichenden Regelsatz noch etwas weggenommen werden, und das auch noch per Gesetz???

Wir müssen endlich mal weg von der vielgeforderten Eigenverantwortung, gebt den Menschen faire Chancen, dann braucht er keinen staatlich subventionierten Erziehungsdienst für Erwachsene. Denn hier wird nur propagiert dass der Mensch endlich lernen soll, sich mit der gesellschaftlichen Zwangsjacke abzufinden, und jeden Zehntelmillimeter darin noch voll auszukosten - auf die Idee einer gesellschaftlichen Mitverantwortung, die wir alle tragen , indem wir ein System, das Betroffene mittels einer Hungerpeitsche zur Aufgabe ihrer Bürger- und Menschenrechte zwingt,mit unserem Schweigen dulden, kommen anscheinend nur wenige.

Nein, statt dessen reden wir uns die Welt schön, beruhigen uns und unser Gewissen mit bedeutungslosen,nachgeplapperten Phrasen wie "...anderen geht es genauso..." , oder "...in anderen Ländern läuft es ja noch viel schlimmer...", gerade also ob nun das junge Mädchen auf dem Straßenstrich an der tschechischen Grenze, das in Thailand prostituierte Kind oder der auf dem schwarzen Kontinent verhungernde Afrikaner auch nur irgendetwas davon hätten, dass wir uns die Missstände in unserem Land immer wieder schön reden:

Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?

Und wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
"Herr Kästner, wo bleibt das Positive?"
Ja, zum Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr braucht schon mal Vaseline,
mit der ihr das trockene Brot beschmiert.
Ihr sagt schon wieder, mit gläubier Miene:
"Der siebente Himmel wird frisch tapeziert!"

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt, unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und die Welt.
Ihr wünscht, dass ich's hübsch zusammenreime,
und denkt, dass es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln.
Und manche liefern zum Selbskostenpreis.

Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen
und wickelt die Sorgen in Seidenpapier!
Doch tut es rasch. Ihr müsst euch beeilen.
Sonst werden die Sorgen größer als ihr.

Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben.
Im Osten zimmern sie schon den Sarg.
Ihr möchtet gern euren Spaß dran haben...?
Ein Friedhof ist kein Lunapark.

gefunden auf Notizen aus der Unterwelt


Ich will die geballten Fäuste auf meine Ohren pressen, um dieses ohrenbetäubenden Schweigen nicht mehr zu hören und angesichts der Pläne, die Bundeswehr im Inneren einzusetzen, die Polizei mit den Geheimdiensten -auch denen aus dem Ausland, z.B. der CIA - zu verschmelzen, beschleicht mich ein entsetzliches Grauen. Wozu bei einer derart denkfaulen Bevölkerung, die sich ohnehin nicht zur Wehr setzen wird, solange sie auch nur noch ein bisschen was zu fressen hat?


Wozu, solange die Bevölkerung auch nur ein bisschen was zum Fressen hat?

.

.

Kommentare:

chriwi hat gesagt…

Warum sehen die "gebildeten Elite", wie du sie nennst, die Zusammenhänge nicht? Weil Ausbildung und Bildung 2 Paar Schuhe sind. Ich kann ein Hochschulstudium haben und dennoch elementare Zusammenhänge nicht erkennen. Manchmal liegt es auch einfach daran, dass einen das Leid anderer Leute einfach nicht kümmert. Es wird propagiert, dass Akademiker eine Berufsgarantie haben. Das Leistung zählt und ja es ist eine Leistung 5 Jahre im Hörsaal zu sitzen. Komischerweise ist danach Schluss. Wenn man sich auf ettlichen "liberal" geprägten Seiten umschaut ist ein Studium der Zettel auf dem steht: "Der bringt Leistung." Mehr Begründung gibt es nicht. Nach meiner Auffassung einer Leistungsgesellschaft müsste die Ausbildung an und für sich nur ein Hilfsmittel sein. Zettel mit Abschlüssen nur eine kleine Hilfe. Nur das was tatsächlich gearbeitet wird entspricht der Leistung. Aber das geht nicht in viele Köpfe. Wer studiert hat ist klüger und hat mehr zu bekommen, fertig. Das ist die Mainstreammeinung. Wenn nun gerade diese Menschen ihre vermeintliche Argumentation hinter schlauen Worten und Titeln verstecken kommen die "normalen" Bürger nicht darauf zu widersprechen. Sie trauen sich nicht. Sie denken man kann wissenschaftlich alles beweisen. Schaut man sich die Argumentation vieler INSM Schreiber an und das sind Doktoren und Professoren, frage ich mich wie sie das werden konnten. Denn die Diagramme sind falsch interpretiert, unvollständig, nichtssagend. In der Schule wären sie damit durchgefallen. Man darf halt nicht mit Kritik sparen nur weil jemand Titel besitzt.
Man muss alles und jedes Hinterfragen. "Seien sie kritisch und nehmen sie nicht alles hin was ich ihnen hier an die Tafel schreibe" sagte ein Professor mal zu mir. Das war die wichtigste Lexion die ich im gesamten Studium gelernt habe.

Anonym hat gesagt…

""die für ungefähr 100 Euro im Monat auf ein Heer von Arbeitslosen zurückgreifen können.""

...................
dies ist nicht ganz Richtig
500,– Euro bekommt der Träger, damit er Hans Mustermann bei sich arbeiten lässt. (Davon muss er auch den einen Euro pro Stunde an Hans Mustermann bezahlen, den „Rest“ kann er selbst verwenden.)

persiana-451 hat gesagt…

@anonym:
Ist ja ungeheuerlich! Kann man das irgendwo nachlesen?
In einem Link, einem Buch?

landbewohner hat gesagt…

anonym hat recht

chriwi
und bildung kann was schönes sein, wenn man sie nutzt, darum sollte auc jeder soviel davon geniessen können wie er möchte.
mit ausbildung - und seien das auch 22 semester uni - kann das aber auch überhaupt nichts zu tun haben. hochausgebildeter fachidiot mit 0 bildung ist ein durchaus nicht seltenes phänomen.